Wenn auch für Geld, finden sich trotzdem bis heute ausreichend Informationen zur Rekonstruktion der Genese, welche man im Landesarchiv in Graz oder in Scheibbs, oder in Liezen ausheben lassen darf – solange man auch Eigentümer einer betroffenen Liegenschaft ist – wie auch der „Entjudungsvertrag“ Frau Valentine Springers Hofanlage in der Kühbachau betreffend.

Der Ordnung wegen bemühten sich die Nationalsozialisten immerhin um das Aufsetzen eines ordentlichen Vertrags. Der Vermerk Unterschrift unleserlich soll wohl darüber hinweggeholfen haben, dass keine Unterschrift vorhanden war.

Auf den folgenden Seiten, die bishin zu den herausgeschnittenen, fehlenden führen, findet sich eine systematische Auflistung des Inventars, des Fuhrparks und der Nebengebäude wie Kegelbude, Zukeusche 170, Badestube. Die sich im Landesgericht Liezen befindlichen Grundbüchern waren laut Auskunft noch bis in die 70er Jahre unversperrt jedem zugänglich. Heute stoßen wir auf das entgegengesetzte Phänomen, sodass es beinahe unmöglich ist, als Außenstehender dh. Nichteigentümer Einblick in die Grundbücher inklusive Historie zu erhalten, wodurch eine Aufarbeitung dieser betroffenen Liegenschaften  durch die Geschädigten, welche nunmehr keine Eigentümerrechte haben, beinahe unmöglich gemacht ist. Wie im Falle des Flussbahnhofes drängt man somit die Enteigneten in eine Beweispflicht, welche andererseits unter Vorwand des Datenschutz oder aufgrund von Amtsgeheimnissen nicht ermöglicht wird.

Ein ermüdender Teufelskreis den mancher vielleicht auch schon anderswo im leider oft so starren Bürokratiedschungel hat fahren müssen, besonders aber all jene 2. Weltkrieg Geschädigten, die man aus rassenideologischen Gründen aus ihrer Heimat vertreiben wollte. Der österreichische Dokumentarfilm „Lets keep it“ – wenn auch nicht durch die Massenmedien ausgestrahlt, weiß davon mehr als ich zu berichten.

Die jüngste Zeit-Geschichte des Flussbahnhofs teilen viele andere heute verstaatlichte Bauten in Österreich. Gerade jene, in welchen bis heute „unsere politischen VertreterInnen“ residieren, waren einst bis vor den 2. Weltkrieg jüdische Familienheime, die nach einem heutigen demokratischen Rechtsverständnis sehr unrechtmäßig ihre BesitzerInnen wechselten, eine Geschichte von Enteignung, Demütigung und Nichtrestitution wie eben auch der Flussbahnhof besitzen. Aufgrund fehlender Geschichtsaufarbeitung und fehlender Wiedergutmachung mit den Geschädigten des 2. Weltkrieges wird bis dato in Österreich vieles in den Geschichtsbüchern ausgespart, was verantwortungsvolles Handeln erfordern würde, weil wir offenbar das gehorsame Schweigen und Nachbeten noch immer als größte Tugend zelebrieren.

Unser brandschutzsicherer Fellnerbau steht trotz Herabwirtschaftung noch immer. Das für spätere Diebesbüroratie zurechtgelegte gleich mitenteignete „Palais Rothschild“ hingegen wurde von den euphorischen vom „Österreich ist frei“ Gedanken getriebenen Postnazis gleich noch in den späten 50ern weggesprengt. Mittels nachträglicher Zurechtlegung der Beweislage für denn „eh rechtmäßigen Verkauf“ dieser Liegenschaft dachten sich die das Raubgut von nun an als Eigentum handhabenden Nachfolger der Reichsforstverwaltung eine virtuelle Summe aus, die nie ausbezahlt wurde, und „einverleibten“, sich gleich mehrere Rothschildimmobilien mit nur einer Klappe. Ob nun eine „österreichische“ Rothschild, oder doch eine „Ausländerin“ (mit britischer Staatsbürgerschaft) die eigentliche Besitzerin in Wildalpen war, legte man sich nach Bedarf zurecht, etwaige Dikrepanzen diesbezüglich haben später auch keinen der verstaatlichten Insichgeschäftsakteure bzw. Kriegsgewinnler mehr gestört

Wahrlich schmutzig ist aber eine bis heute vielfach gängige und geduldete Rechtfertigung der NS Legislative, egal ob Fremdvermögensverwalter oder Einheimischenenteigner – räuberischer Diebstahl bleibt räuberischer Diebstahl – und sollte in einer modernen Demokratie des 21. Jahrhunderts bei Vorlage von Beweisen anerkannt und nach den vorhandenen Möglichkeiten richtig gestellt werden.