In welchem Ausmaß im 20. Jahrhundert die Frage nach dem Umgang mit Energieressourcen an Bedeutung gewann, erzählt das Kühbauer Anwesen vulgo Flussbahnhof auf seine alpenländische Art; einem Ausschnitt bewegter österreichischer Geschichte zwischen gefasstem und ungefasstem fließendem Wasser und den Feuern von Eisenindustrie und Krieg. Neben seiner eigenen Brandhistorie wird eine Spitze dieser Entwicklung zweifelsohne durch die Folgen einer wahnsinnigen Reichskristallnacht markiert, welche im Jahr 1938 zur unrechtmäßigen Enteignung der Eigentümerin Baronin Valentine Springer, geborene Rothschild und Tochter des Albert Salomon Rothschild, dem Vorbesitzer, Stifter und Gründer des unweit des Springerhofes liegenden Schutzgebietes Rothwald, Österreichs ältest erhaltenem Urwald, durch das Deutsche Reich, die damalige Reichsforstverwaltung führte. … und warum bis heute diesbezüglich in Richtung Aufarbeitung nichts passiert ist, eröffnet viele Fragen, welchen ich im Zuge meiner bereits nun über ein Jahr andauernden Recherche in unseren österreichischen Archiven, Akten, lokale Zeitzeugen (die immer weniger werden) und dem Besuch von Schauplätzen der Region nachgehe, um gleichzeitig  mehr Transparenz in dieser bisher so verschwommenen aber doch sehr öffentlichen Angelegenheit zu erlangen, welche sich gemeinsam mit den daraus entstehenden zeitgenössichen Fragestellungen und Auseinandersetzungen in diesem Museumsprojekt zusammen sammeln.

Trotz des eigentlich eher kurzen Bestehens der Liegenschaft an diesem wohl gewählten Standort,  – im Vergleich mit anderen Kulturdenkmälern – gestaltet sich der Kunstraub rund um den Flussbahnhof dennoch nicht minder ereignis- und aktionsreich. Und wie er so dasteht, fix verankert,  gleicht die Genese der Liegenschaft bis hin zum Flussbahnhof einer klassisch österreichischen Kriminalgeschichte im Spiegel seiner jeweiligen Zeit und wenn dieser Stoff noch nicht den Weg in die heimischen Kinos gefunden hat, liegt es eher daran, dass man noch nicht ganz fertig zu sein scheint, mit dem Ausdenken von Geschichten, die über so manche Lücken hierzulande hinwegtrösten sollen, denn in Großbritannien singt man bereits im Musical über die österreichischen Rothschilds und ihrer Vertreibung aus ihrer Heimat in anderem Tönen. Die bis dato fehlende Aufarbeitung der mit dem Kühbauer- Anwesen unweigerlich wesentlich verknüpften Historie von Wildalpen gestaltet die Recherche rund um die Liegenschaft entsprechend heikel. Fehlende Pläne der Liegenschaft auf der Gemeinde, oder verschwundene Akten, herausgeschnittene Seiten aus dem Grundbuch in Liezen, keine Fotos will man den Neuankömmlingen im Flussbahnhof zeigen, die das einstige Kunstwerk im ursprünglichen Glanze abbilden. Das knapp 800m² große Haus, welches inklusive historischem Garten bis 2018 Verfall und dem Moos überlassen wurde, ragt wie eine riesige Geistervilla vor der Ortsbeschilderung von Wildalpen, die man zugunsten einer reduzierten Darstellung der jüdischen Besitzer Chronologie in der letzten Chronik Wildalpens als „Zislerhof“, bezeichnete; benannt nach dem in Wildalpen zum Lokalhelden ernannten Johann Zisler, der in der Tradierung oft auch als Vater/Sohn zur selben Person verschmilzt, der alte als Gastwirt und Bürgermeister, der junge dann als Kaufmann, der als tragischer Verspieler des Zislerhofs in den 20ern in den Freitod ging.

Doch beginnen wir da, wo Geschichten über Denkmäler normalerweise anfangen…