Spätestens um die Mitte des 19. Jahrhunderts lassen sich die aus höheren Gegenden der Region stammenden Goldgruber im bereits gerodeten Salzatal in Wildalpen nieder um als „Kühbauern“ Landwirtschaft zu betreiben. Im Jahre 1871 wird der Verkauf im Grundbuch des Anwesen Nr. 13 Kühbauer (Fam. Thaller), auch Kühbachbauer samt den Objekten  Nr. 169 und Nr. 170 von Anton und Elisabeth Thaller, geborene Goldgruber zugunsten Anton jun. und Maria Thaller vermerkt.

Der Ziesler-Hof (auch Zislerhof) um 1900
Ziesler-Hof um 1900

Das vermutlich aufgrund von Spekulationen auf die später nicht errichtete Eisenbahnverlängerung von Großreifling nach Mariazell über Wildalpen als Jagd-Gastwirtschaft errichtete Anwesen an der damals noch als Dreimärkter Straße (historische Eisenstraße) bekannten Route, wechselt seine Besitzer und oder Betreiber seither mehrmals. Beeindruckend ist nicht nur der Bau selbst, sondern gerade die Wahl des Standorts in dieser eher unwegsamen Gegend, welche für sich alleine bereits von den außergewöhnlichen Kenntnissen der ErbauerIn, die Naturgewalten sowie die Vorzüge und Nachteile in dieser ausgesetzten Region betreffend, zeugt. Nahezu perfekt positioniert aufgrund seiner sonnigen, nach Süden ausgerichteten Lage, auf dem Schotterfeld eines vor etwa 5200 Jahren stattgefundenen Felssturzes inklusive eigener Quelle mit Wasser ohne Oberflächenweg erwecken die meterdicken Mauern den Eindruck, man habe für die Ewigkeit gebaut… jüngst haben sich daneben leider auch die Spuren menschlichen Raubbaus unwiederruflich eingeschrieben, doch dazu etwas später.

Der geografischen Lage, der einzigartigen Architektur, der zeitlichen Entstehung, der einstigen Dunkelkammer (!) zur Ausarbeitung von Fotografien nach zu urteilen – ein um die letzte Jahrhundertwende neu auftauchendes Hobby, welchem zu dieser Zeit hierzulande auf noch einige wenige „Künstler“ begrenzt war, darf man davon ausgehen – trotz Unauffindbarkeit von alten Plänen –  dass das gesamte Anwesen im Auftrag des damals in der Region lebenden und beheimateten Großgrundbesitzers Albert Salomon Rothschild von Architekten Ferdinand Fellner (sen.) sowie seinem ab 1866 den Betrieb leitenden Sohn Fellner jun. geplant und erbaut wurde. Die Zukeusche wurde als Bahnhofsgebäude adaptiert. Albert Salomon Rothschild, auch Salbert, welchem die ÖsterreicherInnen bis heute einen großen Anteil auch noch heute bestehender Infrastruktur (technisch oder aber auch sozial) zu verdanken haben, war wohl bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieg zum größten Großgrundbesitzer und wichtigsten Financier für innovative infrastrukturelle Bauprojekte  in der endenden Monarchie aufgestiegen, dessen Leistungen bis dato durch die Bemühungen der nationalsozialistischen Propaganda in den österreichischen Geschichtsbüchern erst schleppend Erwähnung finden.

Der Architket des Flussbahnhof, Ferdinand Fellner sen. gilt allgemein als Schlüsselfigur für oder als Begründer des Wiener Historismus, welcher bis heute mit seinen zahlreichen Bauwerken das Stadtbild Wiens, wie wir es kennen, nachhaltig prägt, welches heute nicht so aussehen würde, ohne dem Kunstverständnis der BauherrInnen dieser Zeit, oder den unendlichen Summen an Geldmitteln, die die Verwirklichung solcher enormer Projekte damals wie heute benötigen.

ähnlicher Fellner/Helmer Bau in Wien - das Springer Schlössl (aus: wikipedia.org)

ähnlicher Fellner/Helmer Bau in Wien: Das Springer-Schlössl

aus: wikipedia.org

Der Sohn Ferdinand Fellner jun., der bereits ab 1866 seinen herzkranken Vater unterstützte und ab 1873 mit dem jungen Hermann Helmer, Sohn des langjährigen Geschäftspartners des Vaters, diejenige Baufirma gründete, welche bis 1919 verantwortlich für den Bau von rund 60 Opernhäusern, Theatern und anderen repräsentativen, für den öffentlichen kulturellen Genuss bestimmte Bauwerke Mitteleuropas war, muss bei diesem Auftrag bereits beteiligt gewesen sein. Hermann Helmer befasste sich zudem in seinen Forschungen mit der Optimierung von Brandschutzmaßnahmen für diese öffentlichen, massentauglichen Gebäude. Vielleicht ist es auch ihm zu verdanken, dass das Hauptgebäude des Springerhofs trotz mehrmaliger Brandattacken im letzten Jahrhundert noch immer fest verankert steht.